5 Fragen zu Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe in der Coronakrise

Wie erleben Sie heute diese Krise?

Stéphanie Bobtcheff:

Wir befinden uns in einer Krise, die in ihrem Ausmaß und in ihren Gründen, völlig neu ist. Wir haben eine Weltwirtschaft, die nahezu vollständig zum Stillstand gekommen ist. Die Revisionen des Gewinnwachstums sind massiv und extrem schnell.

Also ja, wir befinden uns in einer für uns völlig neuen Marktkrise, auch wenn es gewisse Ähnlichkeiten zu vorherigen Krisen gibt. Die extreme Volatilität, die wir in den Märkten erleben und die Tatsache, dass hochverschuldete Unternehmen besonders in Mitleidenschaft gezogen werden, sind sicherlich Parallelen zu vorherigen Krisen.

Allerdings gibt es auch sehr viele neue Aspekte dieser Krise für uns, so zum Beispiel die Tatsache, dass wir uns heute umorganisieren und anders arbeiten müssen. Wir arbeiten inzwischen alle im Home-Office. Wir sind permanent miteinander verbunden, haben unseren Bloomberg-Zugang, können wie gewohnt Orders aufgeben und vor allem arbeiten wir dank der modernen Kommunikationswege weiterhin als Team daran, unsere Portfolios zu schützen und zu optimieren.

 

Können Sie uns in diesem Umfeld mehr über die Small Caps erzählen? Wie verhält sich dieser Marktbereich, in dem Sie Spezialistin sind?

SB:

Bis Anfang März gab es ein relativ homogenes Verhalten der Indizes für Small Caps und für die großen Marktkapitalisierungen. Als die Börsen sich abwärts beschleunigten, setzte aber eine starke Dekorrelation ein. Inzwischen sind die Small-Cap-Indizes um ca. 32% gesunken, während die Large-Cap-Indizes nur um ca. 26% ihren vorübergehenden Tiefpunkt fanden. Diese Dekorrelation lässt sich durch die Tatsache erklären, dass Small Caps durch ihre geringere Liquidität stärker benachteiligt werden. In einem Umfeld, in dem die Liquidität sehr gering ist, neigen die Anleger dazu, eher Small Caps zu verkaufen als Large Caps.

 

Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe, den Sie zusammen mit dem Team betreuen, hat seinen Index in der Krise deutlich übertroffen, da die Outperformance nun 15% beträgt. Können Sie uns sagen, warum und wie es Ihnen gelingt, diese Outperformance zu erzielen?

SB :

Es gibt mehrere Gründe für diese Outperformance. Zu beachten ist, dass diese Outperformance in der Zeit des sehr starken Marktabschwungs nochmals stark zugenommen hat.

Aus unserer Sicht gibt es 5 Hauptgründe für die Outperformance:

  1. Die Tatsache, dass defensive, widerstandsfähige Aktien (so genannte „long-term winner“) das Herzstück unseres Portfolios bilden, hat uns sicherlich im Abwärtstrend der Börsen geschützt. Wir vermeiden im Portfolioaufbau zyklische Sektoren, die zu sehr vom makroökonomischen Umfeld abhängig sind (z.B. Bausektor, Finanzsektor, Öl und Gas). Eine strukturelle Übergewichtung bilden wir in den Bereichen Pharma, Medizintechnologie und langlebige Konsumgüter.
  2. Unsere sehr solide und äußerst akribische Analysearbeit zur Titelauswahl ist uns sehr zu Gute gekommen. Heute zahlt sich unsere Kompetenz und Erfahrung in der Auswahl unserer Titel aus. Im aktuellen Kontext sind hier beispielsweise Aktien wie Sartorius, Diasorin und Cellnex zu nennen. Wir haben die Entscheidung getroffen, relativ wenig oder gar nicht in verschuldete Unternehmen zu investieren, auch diese Entscheidung war vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen goldrichtig.
  3. Wir achten bei unserem Portfolioaufbau sehr darauf, Titel zu finden, die liquider sind und eine etwas höhere Marktkapitalisierung aufweisen als unser Referenzindex. Wir haben gesehen, dass dieses Segment der „larger Caps“ in der gegenwärtigen Krise etwas besser geschützt war.
  4. Wir halten weiterhin eine relativ hohe Kassequote von etwa 18% in unserem Portfolio. Diese schützt uns automatisch, wenn die Märkte sehr volatil sind und stark fallen.
  5. Wir haben nur sehr wenige Rückgaben in unseren Small & Mid-Cap-Fonds gesehen. Im vergangenen Monat waren es sogar 50 Mio. Euro Zuflüsse im Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe. Dies ist einerseits ein schönes Kompliment der Anleger für unsere Arbeit, aber andererseits auch ein sehr hilfreicher Umstand im Portfoliomanagement. Denn so waren wir nicht, wie manch ein Mitbewerber, zu Verkäufen einiger Aktien „um jeden Preis“ gezwungen.

 

Was haben Sie in den letzten Wochen unternommen, um das Portfolio in diesem sehr untypischen Umfeld anzupassen?

SB:

Wir bleiben weiterhin sehr vorsichtig und arbeiten mit einer nach wie vor hohen Kassequote. Wir haben zwar die neuen Mittelzuflüsse reinvestiert, aber der Anteil der Kasse am Gesamtportfolio ist stabil geblieben.

Auf Portfolioebene haben wir den Anteil an „krisen-empfindlichen“ Aktien reduziert, zu nennen sind hier Titel wie IMCD, Technogym oder Basic Fit. Ersetzt wurden diese durch Werte, die im aktuellen Kontext defensiver, solider und widerstandsfähiger sind. Beispiele hierfür sind Titel wie Biomérieux oder Werte aus dem Telekommunikationssektor. Außerdem haben wir einige Titel unseres Portfolios nachgekauft, die stark gefallen waren, obwohl sie die aktuelle Krise eher mäßig beeinflusst wird, so zum Beispiel Worldline oder AAK.

Wir nutzen die aktuelle Lage aber auch, um Wachstumswerte zu selektieren, die wir „Best-Mid-Call Europe“ nennen. Das sind Unternehmen, die wir seit langem beobachten, die uns allerdings bisher zu teuer oder für unser Anlageuniversum zu groß waren. Wir haben also noch einige „interessante Neueinsteiger“ für unser Portfolio parat.

 

Sollten wir die aktuelle Marktlage heute nutzen sollten, um wieder in Small & Mid Caps zu investieren?

SB:

Ich denke, dass wir weiterhin zuversichtlich, aber eben auch vorsichtig bleiben müssen.

Bei unseren Bewertungsmodellen gibt es derzeit natürlich jede Menge Kaufsignale. Alle Zeichen sind auf grün und alles blinkt zum Kauf. Jetzt müssen wir aber äußerst selektiv sein, denn diese Signale haben im derzeitigen Umfeld nur geringe Aussagekraft. Der Grund hierfür ist, dass das Ertragswachstum der Unternehmen in der nächsten Zeit massiv revidiert werden wird. Dies unterscheidet sich von den heftigen Marktbewegungen, die wir 2018 erlebten. Damals waren es Korrekturen, die mit der Angst vor steigenden Zinsen verbunden waren und nicht mit massiven Gewinnrevisionen, wie wir sie jetzt sehen werden.

Sicher ist, dass die Märkte höchst volatil bleiben werden und dass es weitere schlechte Nachrichten geben wird. Man kann zu keiner Zeit sicher sein, den Tiefpunkt erreicht zu haben. Trotzdem gibt es sicherlich Zeitpunkte, die für einen schrittweisen Wiedereinstieg bestens geeignet sind.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass große Drawdowns immer ein guter Einstiegspunkt sind, so man denn einen Anlagehorizont von mindestens 2 bis 3 Jahren hat.

Bei uns bleibt also in der aktuellen Lage mehr Zuversicht als Unbehagen… hoffentlich auch weiterhin ebenfalls bei unseren Anlegern!