5 Fragen zu Echiquier Arty in der Coronakrise

Olivier, mit Ihrer Erfahrung, wie gehen Sie mit dieser Krise um?

Olivier de Berranger (ODB):

Es stimmt, dass dies eine beispiellose Krise ist. Wir erleben die erste Rezession, die von den Behörden bewusst herbeigeführt wurde. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich sehr von den endogenen Krisen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben und die traditionell entweder durch eine galoppierende Inflation, wie in den 1970er oder 1980er Jahren, oder durch eine übermäßige Verschuldung, wie 2008 oder 2012, verursacht wurden.

Diese Krise ist außerdem etwas Besonderes, weil es sich um eine Gesundheitskrise handelt. 

Wir hoffen natürlich, dass die Regierungen, nachdem sie die Rezession gezielt verursacht haben, mit der Unterstützung der zahlreichen haushalts- und geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken in der Lage sein werden, eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität herbeizuführen.

Ich bin davon überzeugt, dass dies gelingen wird.

 

Kommen wir zu Ihrem Mischfonds ECHIQUIER ARTY. Können Sie uns sagen, wie Sie sich mit Blick auf die Assetklasse Aktien verhalten haben? 

ODB:

Was die Aktien betrifft, haben wir das Jahr 2020 mit einem ziemlich hohen Engagement am Aktienmarkt begonnen, etwa 38%. Im Hinblick auf das historische Aktienengagement des Fonds ist dies eine ziemlich hohe Allokation. Wir hatten dieses Exposure aber bis Ende Januar bereits schrittweise auf etwa 30% gesenkt. Das aktuelle Engagement liegt bei 25%, was einer neutralen Position gleichkommt, da es der Benchmark von ARTY entspricht. 

Es überrascht nicht, dass z.B. Wachstumstitel wie Novo Nordisk und Interxion, die wir in unserem Portfolio haben, sich relativ gesehen gehalten haben. Wir bevorzugen auch weiterhin diese Art von Aktien und verabschieden uns sukzessive von Unternehmen mit schwachen Bilanzen, d.h. Unternehmen mit zu hoher Verschuldung oder zu zyklischen Schwankungen, wie z.B.  Thyssenkrupp oder Lagardère. Darüber hinaus haben wir Absicherungsstrategien implementiert, die einen positiven Beitrag zur Portfolio-Performance geleistet haben.

 

Und wie sieht es bei den Anleihen aus?

ODB:

Bei Anleihen besteht die Besonderheit des Schocks darin, dass Staatsanleihen nicht als sicherer Hafen gewirkt haben. Was Unternehmensanleihen betrifft, so haben sie stark unter den bereits erwähnten Rezessionsängsten und damit unter der Gefahr von Unternehmensausfällen gelitten. Ein Indiz dafür sind die Risikoprämien, die seit Jahresbeginn um etwa 300 bis 350 Basispunkte gestiegen sind. 

Was die Auswahl der Anleihen in ARTY betrifft, so sind wir sehr zuversichtlich, dass die Unternehmen, in die wir investiert haben, zwar an Marktwert verloren haben (unter Mark-to-Market-Aspekten), aber eine Kettenreaktion an Ausfällen wird es nicht geben.

Wir sind überzeugt, dass wir das, was wir zwischenzeitlich an Marktwert verloren haben, in den kommenden Monaten zurückgewinnen werden, entweder in Form einer Reduzierung der Risikoprämien oder in Form von Carry. Ein Indiz dafür ist, dass die durchschnittliche Rendite der ARTY-Anleihen-Allokation jetzt über 2,75% liegt, verglichen mit knapp +0,50% zu Beginn des Jahres.

Ein wichtiger Blick gilt auch der Volatilität. Wir haben es mit einem äußerst volatilen Umfeld zu tun. Die jüngsten Drawdowns von ARTY wurden sehr gut durch die von uns eingeführten Absicherungsstrategien abgefedert.

 

Haben Sie mit der Kasseposition versucht, die Rückschläge im Fonds zu reduzieren? 

ODB:

Ja, wir sind wieder bei einer Kasseposition von ca. 10 % im Fonds, was historisch gesehen recht hoch ist. Allerdings waren wir bei unserer Aktienallokation sehr aktiv, um das gesamte Portfolio auf Unternehmen mit starken Bilanzen, geringer Verschuldung und leichtem Zugang zu Kreditlinien auszurichten. Gleichzeitig haben wir unsere Anleihen in Teilen neu allokiert. Wir haben Neujustierungen bezüglich der unterschiedlichen Qualität der Anleihen, in die wir investiert waren, vorgenommen. Die Verwerfungen an den Märkten für Unternehmensanleihen und Staatsanleihen haben wir genutzt um: 

1) die Laufzeit des Anleihen-Portfolios zu verlängern, die jetzt ca. 3 Jahre beträgt, und 

2) zahlreiche Adjustierungen bei Seniorität und Ratings der Anleihen vorzunehmen. 

Auf der anderen Seite bleiben wir in Bezug auf den High-Yield-Anteil immer noch zurückhaltend.

 

Ist nun der richtige Zeitpunkt zu investieren?

ODB:

Wie ich bereits sagte, handelt es sich um eine markt- und makroökonomisch exogene Gesundheitskrise. Die Sichtbarkeit ist also immer noch gering und wird von den medizinischen Lösungen abhängen, die wir am Ende dieser Pandemie haben können.

Nichtsdestotrotz sollte es nach einer solchen Korrektur an den Aktienmärkten und einer solchen Streuung der Risikoprämien (3 – 3,5% Aufschlag bei 5-jährigen Hochzinsanleihen), interessant sein, wieder zu investieren.

Ich rate Anlegern, den eigenen Anlagehorizont im Auge zu haben und sukzessive, d.h. mit mehreren Einstiegszeitpunkten in den Markt zurückzukehren.

Meines Erachtens werden Anleger aber in den kommenden Monaten mit „realem Privatvermögen“, d.h. Aktien und Unternehmensanleihen, besser positioniert sein als in Staatsanleihen, deren Emissionen in Dauer und Anzahl explodieren dürften.

Besonnenheit und Aktivität sind wichtig, dies leben wir in unserem ECHIQUIER ARTY, der seiner Rolle als defensiver Multi-Asset Fonds in dieser Krise gerecht wird.